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Gespräche



 12.05.2021 - Das Gespräch mit der Autorin Ruth Eder 



Ruth Eder

Ruth Eder Schriftstellerin, Journalistin, Moderatorin.

Sie ist Dozentin für Kreatives Schreiben u. Moderatorin des "Ottobrunner Kultur Stammtisch", eine Live-Talkshow mit prominenten Kulturschaffenden. Seit 1984 ist Ruth Eder freie Journalistin. Ihre Themenschwerpunkte sind Frauen, Partnerschaft und Psychologie.
Im Verlag Noack & Block, Berlin, sind viele Ihrer Bücher neu verlegt worden. Zuletzt der Roman „Die Glocken von Kronstadt“ wie auch der Roman „Die andere Seite des Schmerzes“.


Menschliche Geschichte ist nicht zum Vergessen da, und Ihr Buch „Die andere Seite des Schmerzes“ gehört dazu.
Sie haben einen Roman über eine große Liebe geschrieben, die Ende der 1960er Jahre begann. In der Zeit ihrer Beziehung erleben die Studentin Judith und der amerikanische Pilot Don die Hippie-Bewegung der 68er. Dann verschärft sich der Vietnamkrieg, und der Pilot muss in den Krieg ziehen. Die Gesellschaft ist im Umbruch. Frauenbewegung, Anti-Vietnamkriegsbewegung, die Auseinandersetzung mit der Nazizeit, wachsendes Umweltbewusstsein. Rundum ist ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel im Gange, und die kulturellen Unterschiede werden zum Problem der beiden. Das Buch hat mich nicht nur gefesselt, ich war neugierig auf jede einzelne Seite, wie sich Leben und Beziehung im Lauf der Zeit veränderten.
Frau Eder, diese Generation hat so gelebt, sie wurde belächelt, aber heute wissen wir, sie hat Geschichte geschrieben. Wie sehen Sie das nach all diesen Jahren?

Unsere Generation. Ja das sehe ich tatsächlich so, und es fällt mir auf, zum Beispiel bei meiner Tochter (39 Jahre), dass ihre Generation unsere Musik hört, ob die Beatles, Stones, usw., von David Bowie hat sie ein Poster an der Wand. Ihre Generation schwärmt für die 68er, für den Aufbruch der Zeit, und wie wir engagiert waren. Ich war emanzipiert von der ersten Stunde an, wir haben gegen den Vietnamkrieg demonstriert, und zur selben Zeit war mein Mann als Captain und Kampfhubschrauber-Pilot in Vietnam. Von 300 jungen Männern, die in der Kompagnie meines Mannes in diesem Krieg waren, kamen nur zwei zurück: Mein Mann und ein Kamerad. Kampfhubschrauber sind im Krieg immer die ersten, die losgeschickt werden. Sie sind die Kavallerie am Himmel.
Zum Punkt zurück, wir waren eine tolle Generation, wir waren mutig, wir waren aufmüpfig und eine aufbrechende Generation, und das versucht die heutige auch zu sein, allerdings nicht als Kriegsgegner, sondern als Umweltschützer, die schon viel erreicht haben.

Bei einem Gespräch für Bücher & mehr e.V. beziehe ich mich gerne auf Bücher, aber Ihr Leben als Journalistin, Autorin, Bloggerin ist so spannend, dass ich Sie fragen möchte, wie geht es Ihnen heute in der Pandemie?
Ich hätte nicht gedacht, dass ich so gut allein sein kann. Ich hatte immer um mich herum Menschen, viel Kommunikation. Es war dauernd ‘was los. Jetzt ist es anders und es geht auch. Telefon und E-Post helfen einem natürlich dabei, nicht wirklich verlassen zu sein.

Viele Ihrer Bücher sind im Verlag Noack & Block neu verlegt worden, auch Ihr Buch „Die Glocken von Kronstadt“. Das ist ein Siebenbürgen-Roman. Heute weiß kaum einer, wo Siebenbürgen liegt. Siebenbürgen liegt im Zentrum Rumäniens, da wo Graf Dracula zu Hause war.
„Die Glocken von Kronstadt“ ist ein packender Roman über das Leben der Siebenbürger Menschen von 1913 an – bis in die 1960er Jahre, und die Geschichte Ihrer Familie, das Leben ihrer beiden Großmütter. Welcher Gedanke war der zündende, dass Sie diesen mitreißenden Familienroman geschrieben haben?

Die Krankheit meiner Mutter. Ich wollte nicht, dass ihre Generation und die meiner Großeltern, dass ihre Leben, ihre Geschichten verschwinden. Dieser Familienroman war mein erster Roman, zuvor waren es viele Sachbücher. Ein Jahr lang habe ich recherchiert und bin auch dazu mit Mutter, Tochter und Hund in einem Wohnmobil 1989 nach Rumänien gefahren.

Im Mittelalter nannte man in Siebenbürgen alle Deutschen Sachsen, auch die aus dem Rheinland, woher die meisten Aussiedler herkamen. Da liegt ein Irrtum der auf Lateinisch schreibenden damaligen Historiker zugrunde: Sie nannten die Siebenbürger in ihren Schriften SAXONES, was dann beibehalten wurde.


Sie hatten eine geniale Idee zur 100.000 Ausgabe Ihres Buches „Ältern-Abend“. Damit ist das -älter werden- gemeint. Mit Humor nahmen Sie per Video eine Lesung zum Buch auf. Kann man das heute auch noch sehen?
Ja, der Abend zum Buch mit der Kabarettistin Maria Peschek ist als Video auf meiner Homepage zusehen.
https://www.ruth-eder.info/home.html

Chapeau, seit 1994 machen Sie die Organisation und Moderation des "Ottobrunner Kultur-Stammtisches“. Eine Live-Talkshow mit prominenten Kulturschaffenden. Das sind fast 30 Jahre, wie kann sich eine Talkshow so lange halten?
Frau Eder nickt mit dem Kopf. Ja, das ist erstaunlich, das wundert mich auch. Die Idee war: Kultur in einer Kneipe. Der Stammtisch ist immer rappelvoll. Die Prominenz sitzt auf Augenhöhe mit dem Publikum, und der Bürgermeister mittendrin.

Wird beim Ottobrunner Kultur-Stammtisch auch über Politik gesprochen?
Wenn Talkgäste wie der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude oder auch der politische Kolumnist der SZ, Heribert Prantl zu Gast sind, lässt sich das nicht vermeiden, steht aber nicht im Vordergrund. Ich versuche immer, den Menschen hinter dem Beruf zu zeigen. Ob nun Schauspieler, Musiker oder Politiker.

Schreiben Sie weiterhin Serien für Zeitungen?
Nein, ich hatte für die AZ Serien geschrieben. Dann Reportagen.

Das Buch „Altweiber-Sommer“, dass vor 10 Jahren erschienen ist, las ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nichts ist überholt. Die Sehnsucht nach Geborgenheit bleibt. Gina Romanyi ist die Heldin des Romans, zweimal geschieden, die sich durch den Alltag kämpft und das Älterwerden. Das Buch sollte verfilmt werden. Gibt es ein Drehbuch zum “Altweiber-Sommer“?

Ich bin mit der zweimal preisgekrönten Regisseurin Gabriela Zerhau seither in Kontakt. Wir kennen alle ihre wunderbaren Serien „Die Hausmeisterin“ oder „Tannbach, Schicksal eines Dorfes“. Vorerst gibt es kein neues Projekt.

In Zusammenarbeit mit Frau Edith von Welser-Ude entstand Ihr Buch „Mütter und Töchter: Frauen erzählen von einer ganz besonderen Beziehung“. Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?
Die Idee war schon lange vor dem Buch da, denn Edith und ich wollten etwas zusammen machen. Bei den Kultur-Stammtischen traf ich auf Frauen, die Töchter haben, und in den Gesprächen mit ihnen ist diese Idee entstanden.
Wir fanden tolle Mütter, ebenso Töchter, die aber im Norden oder im Süden wohnen, ach über das ganze Land verstreut. Da kam wieder mein Motiv zum Tragen, dass ich will nicht, dass die Geschichten der Menschen einfach verschwinden. Und so sind dann Edith von Welser-Ude und ich in meinem alten Daimler-Benz durch Deutschland, Schweiz und Österreich gefahren, um Mütter und Töchter zu fotografieren und natürlich auch zu ihrer Mütter-Töchter Beziehung zu interviewen.

Es gab eine Kochsendung in Fernsehsender München-TV, leider heute nicht mehr: „Der Club der Köchinnen“, die Frau Welser-Ude moderierte. Wurden Sie auch zum Kochen eingeladen?
Ja, dreimal. Aber man wurde nicht einfach eingeladen, weil sie mich nett fand oder wir befreundet sind, man musste schon auch ‘was herzeigen, zum Bespiel ein neues Buch. Es waren immer ein paar Jahre zwischen den Einladungen. Zweimal kochte ich was Siebenbürgisches.

Hat Sie das nicht angeregt, ein Kochbuch zu schreiben?

Nein, aber es gibt ein Buch über den „Club der Köchinnen“ von Edith Welser-Ude.

Spielt Musik auch eine Rolle für Sie?

Ja, bei mir ist eigentlich immer Musik an, auch beim Autofahren.

Frau Eder, wenn wieder alles möglich ist und die Kultur wieder auflebt, wen laden Sie nach Ottobrunn zum Stammtisch ein?
Ich hatte schon eingeladen, vor der Pandemie stand mein Programm fest. Es hatten auch zugesagt: der ehemaligen Fastenprediger vom Nockerberg Michael Lerchenberg, der Moderator Fritz Egner, der nun am Sonntagabend im Radio eine „Schwarze-Musik“ Sendung macht. Ich bin eine große Anhängerin von Soulmusik. Und dann der Reporter Werner Schmidbauer, der die Fernsehsendung „Gipfeltreffen“ macht. Das ist mal eine andere Art von Talk. Er wandert mit Prominenten einen Berg hoch und unterhält sich dabei mit ihnen.
Übrigens, mein letzter Talkgast war der SZ-Kolumnist Heribert Prantl. Das war ein gelungener Abend.

Hoffentlich müssen wir nicht mehr lange auf den nächsten Stammtisch warten, und für gedruckte Bücher gibt es keine Pandemie. Wir freuen uns sehr auf Ihren nächsten Roman. Vielen Dank für das Gespräch.


©Steffi.M.Black 2021(Text)
©Foto Privat