Newsletter

Journal
Der längste Sommer
mehr lesen
...

Das Haus am Gordon Place
mehr lesen
...

Fräulein Prolet heißt Fritzi, sie ist Munitionsarbeiterin, 17 Jahre alt, und sie erlebt die aufreibende Zeit zwischen Revolution und Entstehung des Freistaats Bayern und sie verehrt Sonja Lerch.
mehr lesen
...

Der Nahost-Konflikt aus Sicht derer, die ihn erleben
mehr lesen
...

Erich Kästner u. Walter Trier
mehr lesen
...

Zukunft denken
mehr lesen
...

Kafka
mehr lesen
...

Die Volljährigkeit naht, und dann?
mehr lesen
...

Weihnachtszeit
mehr lesen
...

Der Mann, der alles erfand - nur nicht sich selbst.
mehr lesen
...

Sie sind hier: Gespräche#605

Gespräche



 21.05.2023 - Büchertipp - Wo die Geschichte ihren Anfang hat 



HOYWOJ

Thomas Hartwig
HOYWOJ

Roman
Salon Literatur VERLAG München

Bevor ich das Buch in den Händen hielt und aufschlug, wollte ich wissen, wo die Heimat der Sorben liegt. Ich glaubte, dass das Buch in einem Ritterschloss mit vielen Menschen in schönen Kleidern spielt.
Aber –
die erste Station war unerwartet Köln am Rhein. Dort lebt der Musiker Patrick mit seiner kleinen Familie.

Das Buch HOYWOJ ist eine schöne, sensible Hinführung zu einer deutschen Vergangenheit, und der Name ist sorbisch für Hoyerswerda. Hätten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass gewusst? Ich nicht, ich dachte Hoyerswerda liegt ja in Sachsen, unweit von Dresden. Und das in Sachsen eine starke Minderheit von Sorben lebt, erfuhr ich durch das Buch.
Was treibt einen Autor um, dieses Thema zu bewegen?

Auch das hat Geschichte, und der Autor Thomas Hartwig macht das Leben der jungen Marja, Patricks Urgroßmutter, drastisch sichtbar. Die, weil sie in ihrem Dorf mit Familie und Dorfbewohnern sorbisch sprach, in den Kriegsjahren als Magd auf ein Rittergut in Ostpreußen zwangsverpflichtet wurde. So kam Marja wegen ihrer sorbischen Herkunft auf das Schloss Steinort des Grafen Heinrich von Lehndorff in den Masuren, wo auch Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop wohnte. Vieles musste Marja mit ansehen, Angst aushalten, Hinrichtungen und die Vertreibung miterleben.

Auf 575 Seiten ist geballtes Leben festgehalten.
Der Autor hat aus der über tausend Jahren alten Geschichte der Sorben in der Ober- und Niederlausitz die letzten Jahrzehnte festgehalten, bis in unsere heutige Zeit, die Zeit nach der Wende 1989. Man steht immer wieder da und begreift eigentlich nicht, was geschieht. Warum wird Marja Tochter Waltraud, die für Freiheit und ein eigenständiges Leben steht, in den 90er Jahren von Neonazis erschlagen?
Der Autor erwähnt zwar den Unmut und die Wut der jungen DDR-Bürger, zu Beginn der 50er Jahre, aber nicht den Aufstand vom 17. Juni 1953, der lange Zeit in Westdeutschland ein Gedenkfeiertag war.

Ein spannender, ein bewegender, ein informativer Roman über Ausgrenzung, Suche nach der eigenen Identität, Lebensgefühl einer Minderheit und Bangen um die große Liebe.
©Steffi.M.Black 2023 (Text)

Aus dem Klappentext:

Thomas Hartwig hat mit HOYWOJ einmal mehr einen großen Roman gegen Ausgrenzung und Diskriminierung geschrieben.

Seit knapp 1.500 Jahren besiedeln Sorben und Wenden die Gebiete der Ober- und Niederlausitz, wo sie bis heute in vielen Bereichen ihre kulturelle Eigenständigkeit bewahren konnten. Am bekanntesten sind die Osterritte, ihre bunten Trachten sowie die von Otfried Preußler aufgegriffene Sage von Krabat, dem sorbischen Betteljungen, der die Zauberkunst erlernt und sie zum Wohle der Sorben und Wenden einsetzt.

Thomas Hartwigist Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Er drehte Dokumentarfilme als Autor und inszenierte auch Fernsehspiele. Für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schrieb er Hörfunkfeatures. Von 1993 bis 1996 war er als Dozent, Dramaturg und Skripteditor an der Filmakademie Ludwigsburg, der Bavaria-Atelier-GmbH und der Hochschule für Fernsehen und Film in München tätig.Seine filmischen Arbeiten wurden mit mehreren Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. Mitgliedschaften:Er ist Mitglied im Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure in Deutschland e.V.