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Gespräche



 03.10.2026 - Buchempfehlung 


Buchempfehlung von Eveline Petraschka

Dana Vowinckel

Anton und Alma im Suhrkamp Verlag, Berlin
Vielleicht geht es beim Lesen genau darum, Literatur zu entdecken, die „leuchtet“ und „die Welt zu einem schöneren Ort macht“, wie es Christian Kracht über die Literatur Dana Vowinckels gesagt hat.

Mit „Anton und Alma“, ihrem zweiten, dem fordernsten Roman für junge Autor:innen, ist der 30-jährigen Berlinerin eine solches Buch, die Liebesgeschichte ihrer Generation gelungen. Von der Kritik als Sensation gefeiert, war die erste Auflage in wenigen Tagen vergriffen und gleich für den Deutschen Buchpreis (Shortlist) nominiert.

Kein Wunder, denn es ist große Kunst, wie Vowinckel uns auf 534 Seiten, mal aus der Sicht Antons, mal aus der Almas, einfühlsam bis in die letzte Herzensregung, am „furchterregenden Glück“ ihrer Hauptfiguren teilnehmen lässt. Und wie sie dieses fragile Glück mit der polarisierten Gegenwart, auch den verhärteten Debatten um jüdische Identität und deutsche Erinnerungskultur verbindet.

Bei einem Schüleraustausch in der Bretagne lernen sie sich kennen und Alma beginnt schon bald für Anton zu schwärmen, bis er von heute auf morgen einfach verschwunden ist. Seine Gastfamilie hat ihn spüren lassen, dass er als Jude nicht willkommen ist. So schwierig wie der Anfang ihrer Liebe ist, geht es auch weiter mit diesem scheinbar grundverschiedenen Paar: Er, Geschichtsstudent aus kosmopolitisch-jüdischer Akademikerfamilie, sie Germanistin aus dem Ostberliner Kiez Biesdorf, die „irgendwie“ von einem NS-Täter abstammt. Jahre später treffen sie sich auf einer Party, verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich.

Von seiner „Almi“ lernt Anton, wie man ins kalte Wasser springt, was absolute, pure Freude, was ein gutes Buch, was Liebe ist. Doch wieder wird er fliehen, um in New York über die Konversion der Chasaren zum Judentum zu promovieren. Alma bleibt mit gebrochenem Herz zurück, sucht eine neue Heimat in der Gemeinschaft der Berliner Synagoge.

Erst der Hamas-Überfall des 7. Oktobers bringt die Beiden wieder zusammen. Für immer?

Eveline Petraschka
ist im Vorstand von Bücher & mehr e.V.